Lycaste deppei — blühende Pflanze im Topf

Orchidaceae · Botanische Dokumentation

Lycaste

deppei

(G.Lodd. ex Lindl.) Lindl. — 1843

Eine epiphytische bis lithophytische Gebirgsorchidee aus den Nebelwäldern Mittelamerikas — seit 1828 in Kultur, bekannt für stark duftende (Pfefferminz) Frühlingsblüten und robuste Konstitution.

Epiphyt / Lithophyt CITES App. II 1100–1700 m ü.M. Seit 1828 in Kultur
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Taxonomische Einordnung

Erstmals als Maxillaria deppei beschrieben, wurde die Art 1843 von John Lindley in die neu etablierte Gattung Lycaste überführt. Der Artname ehrt den deutschen Naturforscher Ferdinand Deppe, der die Pflanze 1828 in Mexiko entdeckte.

ReichPlantae
AbteilungTracheophyta
KlasseLiliopsida
OrdnungAsparagales
FamilieOrchidaceae
GattungLycaste
ArtLycaste deppei
Autor(G.Lodd. ex Lindl.) Lindl.
Jahr1843
SektionDeciduosae / Paradeciduosae
Erstpubl.Edwards's Bot. Reg. 29(Misc.): 14

Synonyme

  • Maxillaria deppei G.Lodd. ex Lindl. (1832)
  • Deppia mexicana Raf. (1836)
  • Lycaste leiantha Beer (1854)
  • Lycaste chrysoptera Morr. (1849)
  • Lycaste deppei var. major Stein
  • Lycaste deppei var. pallida Stein
  • Lycaste deppei var. praestans L.Linden
  • Lycaste deppei var. rosea Oakeley
  • Lycaste deppei var. viridis Smee
  • Lycaste deppei subsp. viridis Smee
CITES Appendix II — Alle Orchidaceae unterliegen dem kontrollierten Handel. Sammlung aus der Wildnis ist verboten. Nachweispflichtig bei kommerziellem Handel.

Herkunft & Verbreitung

Lycaste deppei ist an ein sehr spezifisches Biotop gebunden: feuchte Bergwälder (Nebelwälder) Mittelamerikas in Höhenlagen zwischen 1100 und 1700 Metern. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Mexiko bis in den Nordwesten Kolumbiens.

MEXIKO GUATEMALA EL SALV. HONDUR. NICAR. KOLUMBIEN Hauptvorkommen Bekanntes Vorkommen Randvorkommen HÖHENLAGE 1.100 – 1.700 m über Meeresspiegel

🇲🇽 Mexiko

Tamaulipas, Puebla, Vera Cruz, Oaxaca, Chiapas — Hauptverbreitungsgebiet mit den dichtesten Populationen

🇬🇹 Guatemala

Gut dokumentierte Populationen in Bergwäldern der westlichen Hochlagen

🇸🇻 El Salvador

Bekannte Vorkommen in feuchten Gebirgswäldern über 1100 m

🇭🇳 Honduras

Vorkommen auf Felsen und Bäumen in montanen Wäldern bestätigt

🇳🇮 Nicaragua

Randvorkommen im nördlichen Bergland, weniger dichte Populationen

🇨🇴 Kolumbien (NW)

Südlichste dokumentierte Grenze des natürlichen Verbreitungsgebiets laut Kew Science

Botanische Galerie

Grün-gelbe Sepalen mit ausgeprägter rotbrauner Fleckung, kleines weißes Labellum mit gelbem, rotgepunktetem Lip — das Foto zeigt eine blühende Pflanze in Kultur mit zwei Blütenständen gleichzeitig. Stark duftend (Pfefferminz). Blütezeit: Frühling.

Foto: Eigene Aufnahme · Schema: botanische Illustration (generiert)

Haltung & Pflege

Als Bergnebelwald-Epiphyt braucht L. deppei kühle Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und eine ausgeprägte Winterruhe. Für erfahrenere Hobbyisten geeignet — verlangt konsequentes Saisonmanagement.

🌡️

Temperatur Sommer

18 – 30 °C

Tagsüber. Nachts bis 10 °C absinkend zulässig und erwünscht. Hitze über 30 °C nicht toleriert.

❄️

Temperatur Winter

15 – 18 °C

Durchgehend kühler halten. Der Tag-Nacht-Unterschied regt die Blütenbildung an.

💧

Luftfeuchtigkeit

40 – 70 %

Trockene Luft vermeiden. Im Sommer täglich besprühen oder Luftbefeuchter verwenden. Gute Luftzirkulation ist wichtig — verhindert Blattfleckenpilze.

☀️

Licht

Halbschatten

Keine direkte Sonne. Gefiltertes oder indirektes Licht. Im Winter möglichst hell stellen.

🪴

Substrat

Rindengemisch

75 % feiner Rindenmulch + 25 % Perlite — oder reines Sphagnummoos. Keine normale Blumenerde.

🌸

Blütezeit

Frühling

Eine Blüte pro Stiel, mehrere Stiele gleichzeitig möglich. Blütenstand bis 15 cm lang, Blüte bis 11,5 cm Ø. Stark duftend — Pfefferminzduft. Nach Blattabfall bleiben scharfe Dornen an den Pseudobulben zurück.

Gießen & Düngen

Wachstumsphase: Reichlich gießen sobald Neutriebs-Wurzeln wachsen — bis die neuen Bulben ausgereift sind. Keine Staunässe. Wasser morgens gießen, nicht abends (Fäulnisgefahr). Wasser nie in den Neutrieb oder auf die Blätter gießen — führt zu Fäulnis und Flecken (AOS).

Winterruhe: Laubabwerfende Pflanzen fast vollständig trocken halten sobald blattlos. Pseudobulben dürfen leicht schrumpfen, aber nicht stark einschrumpfen. Nach Blattabfall bleiben scharfe Dornen an den Pseudobulben — Vorsicht beim Umgang.

Dünger: Alle 2 Wochen während der Wachstumsphase mit halber Herstellerdosis. Orchideenspezial­dünger. In der Ruhezeit komplett pausieren.

Wasser: Möglichst Regenwasser oder kalkfreies Wasser — die Wurzeln reagieren empfindlich auf Salze.

Saisonales Management

Sommerfrische: Ab Nachttemperaturen über 15 °C kann die Pflanze ins Freie an einen schattigen, geschützten Platz. Die natürlichen Tag-Nacht-Schwankungen fördern die Blütenbildung erheblich.

Winterpause: Bei laubabwerfenden Exemplaren: nach Blattabfall kühl und fast trocken halten bis neue Triebe erscheinen. Der Laubabwurf ist arttypisch — die zurückbleibenden Dornen an den Pseudobulben sind ein natürliches Merkmal der Art.

Umtopfen: Wenn Bulben über den Topfrand wachsen oder Substrat zu schnell abtrocknet. Frühjahr (März–Mai). Wurzeln vorher 20 min einweichen. Nach dem Umtopfen 24 h nicht gießen.

Zucht & Status

Status bei Züchtern

Nischenpflanze mit stabiler Fangemeinde. Kein Massenmarkt — zu anspruchsvoll für den Baumarkt. Bei Spezialisten (Orchideengärtnereien, Sammlertausch) gut erhältlich. Seit 1828 durchgehend in Kultur; ausgezeichnete Kultivare existieren seit den 1960er-Jahren ('Penn Valley' 1960, 'Annie' mehrfach ausgezeichnet 2012–2016).

Wildentnahme verboten. Alle kommerziell angebotenen Pflanzen müssen Nachzuchten sein. Beim Kauf auf Herkunftsnachweis achten.
Natürlicher Bestand: Kein offizieller IUCN-Gefährdungsstatus dokumentiert. Habitatverlust durch Abholzung der Nebelwälder Mittelamerikas stellt die größte Bedrohung dar. Bindung an spezifische Höhenlage macht die Art anfällig.
01

Teilung (Division)

Standardmethode für Hobbyisten. Rhizom mit scharfer, sauberer Schere durchtrennen. Teilstück benötigt mindestens 2–3 Bulben mit je 2–3 gesunden Wurzeln. Ergibt genetisch identische Pflanzen.

02

Aussaat / Flask-Kultur

Orchideensamen keimen nur unter sterilen Laborbedingungen auf Nährlösung (Agar). Orchideensamen haben kein Nährgewebe — in der Natur auf Mykorrhizapilze angewiesen. Für Hobbyisten nicht praxistauglich.

03

Meristem-Klonierung

Pflanzgewebe wird in agitierter Agar-Kultur wiederholt geteilt, bevor es ausdifferenziert. Methode kommerzieller Züchter für ausgezeichnete Kultivare in großer Stückzahl. Ergebnis ist genetisch identisch mit der Ausgangspflanze.

Literatur

Standardwerk · 2008

Oakeley, H.F. (2008): Lycaste, Ida and Anguloa. The Essential Guide. Published by the author, Aberystwyth, Wales. 445 S., ca. 1.400 Fotos.
ISBN 978-0-9521461-1-7

Klassifikation · 2007

Oakeley, H.F. (2007): A new infrageneric classification of Lycaste (Lindl.) and a checklist of species for the genus Lycaste. In: Orchid Digest 71: 196–208.

Monographie · 1970

Fowlie, J.A. (1970): The Genus Lycaste. Its Speciation, Distribution, Literature and Cultivation — A Monographic Revision. Azul Quinta Press. 90 S.
Kein ISBN (vor ISBN-System)

Erstbeschreibung · 1843

Lindley, J. (1843): In: Edwards's Botanical Register 29 (Misc.): 14. — Miscellanea-Anhang (separat paginiert), nicht Hauptpaginierung des Bandes.
Digitalisat: Biodiversity Heritage Library · Hinweis: GBIF gibt abweichend S. 15 an; Primärquelle (Meneguzzo 2024, TAXON) nennt S. 14

Nomenklatur · 2024

Meneguzzo, S. (2024): Request for a binding decision on whether Deppea Schltdl. & Cham. (Rubiaceae) and Deppia Raf. (Orchidaceae) are sufficiently alike to be confused. In: TAXON.
DOI: 10.1002/tax.13198 ↗

Online-Quellen

Royal Botanic Gardens, Kew
Lycaste deppei — Plants of the World Online (POWO)
powo.science.kew.org ↗
Global Biodiversity Information Facility
Lycaste deppei — GBIF Backbone Taxonomy
gbif.org ↗
Denver Botanic Gardens
Lycaste Orchids in the Greenhouse — inkl. L. deppei Beschreibung
botanicgardens.org ↗
Orchids Wiki / Fandom
Lycaste deppei — Artbeschreibung & Kultivierung
orchids.fandom.com ↗
American Orchid Society
Lycaste deppei — IOSPE Beschreibung & Kultivare
orchids.org ↗
IOSPE — Internet Orchid Species Photo Encyclopedia
Lycaste deppei — Fotos & vollständige Beschreibung
orchidspecies.com ↗
American Orchid Society
Lycaste Culture Sheet — offizielle Kultivierungsanleitung
aos.org ↗